Die Abmahnung: 7 Dinge, die Sie wissen sollten

Die Abmahnung: 7 Dinge, die Sie wissen sollten

Zahlreiche Menschen stehen in Deutschland in einem Arbeitsverhältnis. Arbeitgeber haben grundsätzlich nur eingeschränkte Möglichkeiten, einen unbefristet eingestellten Arbeitnehmer zu kündigen. Im Volksmund wird in diesem Zusammenhang sehr viel über die arbeitsrechtliche Abmahnung gesprochen.

Doch nur sehr wenige Menschen wissen tatsächlich, was sich dahinter verbirgt. Es ist für Arbeitgeber und Arbeitnehmer jedoch unerlässlich, sich mit der rechtlichen Situation und den Konsequenzen einer Abmahnung auszukennen. Wir von Lazarus Rechtsanwälte geben Ihnen daher im nachfolgenden Artikel 7 wertvolle Informationen und Hinweise zur arbeitsrechtlichen Abmahnung.

1. Die arbeitsrechtliche Abmahnung hat drei Funktionen

Die bekannteste Funktion der Abmahnung ist die Warn- und Androhungsfunktion. Wenn ein Arbeitnehmer leistungs- oder verhaltensbedingt im Arbeitsverhältnis Verstöße begeht, so ist die Abmahnung ein gutes Mittel, um dem Mitarbeiter aufzuzeigen, dass die Fortsetzung des Verstoßes zu einer Kündigung führen kann bzw. wird. Die arbeitsrechtliche Abmahnung kann, je nach Sichtweise, somit dazu beitragen, das Arbeitsverhältnis aufrechtzuerhalten oder eine Kündigung vorzubereiten.
Zudem hat die Abmahnung eine Hinweisfunktion. Der Arbeitnehmer wird mit ihr auf ein Fehlverhalten hingewiesen und hat nun die Möglichkeit, sein Verhalten zu ändern. Letztlich hat die Abmahnung eine Dokumentationsfunktion. Sie muss zwar nicht schriftlich ausgesprochen werden. In der Praxis erfolgt jedoch fast immer eine schriftliche Dokumentation des angemahnten Verhaltens, welche in der Personalakte aufbewahrt wird.

2. Welche Inhalte muss eine Abmahnung enthalten?

Der Arbeitgeber muss in einer Abmahnung folgende Angaben machen:

  • den genauen Zeitpunkt
  • die Gründe des Fehlverhaltens seines Mitarbeiters

Außerdem muss darauf hingewiesen werden, welche Konsequenzen bei einem erneuten Fehlverhalten zu erwarten sind. Wird keine Kündigung als Konsequenz aufgeführt, kann diese bei einem weiteren Verstoß nicht ausgesprochen werden.

3. Wie häufig muss ein Arbeitgeber vor einer Kündigung abmahnen?

Die meisten Arbeitnehmer sind der Meinung, dass ein Arbeitgeber vor einer Kündigung mindestens drei Abmahnungen aussprechen muss, doch das ist nicht richtig. Bei schweren Verstößen im Arbeitsverhältnis reicht bereits eine Abmahnung aus. Bei geringerem Fehlverhalten ist eine einmalige Abmahnung dagegen nicht ausreichend.

4. Grund der Abmahnung und späterer Kündigungsgrund müssen übereinstimmen

Werden Sie als Arbeitnehmer abgemahnt und einige Wochen später gekündigt, so müssen der Grund der Abmahnung und der Kündigungsgrund übereinstimmen. Sie können beispielsweise nicht dafür abgemahnt werden, dass Sie zu spät zur Arbeit kommen und anschließend dafür gekündigt werden, dass Sie ohne ärztliches Attest gefehlt haben.

5. Der Arbeitgeber kann zu häufig abmahnen

Auf den ersten Blick klingt es etwas paradox, doch das Bundesarbeitsgericht hat entschieden, dass zu häufige Abmahnungen unter bestimmten Voraussetzungen die Rechte des Arbeitnehmers stärken können. Im konkreten Fall hatte ein Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer zwei mündliche Ermahnungen und sieben schriftliche Abmahnungen ausgesprochen.
Die anschließende Kündigung konnte der Arbeitnehmer erfolgreich anfechten, da der Arbeitgeber in der letzten Abmahnung vor der Kündigung nicht ausdrücklich genug darauf hingewiesen hatte, dass bei einem erneuten Fehlverhalten die Kündigung droht. Bei mehrmaligen Abmahnungen muss der Arbeitgeber die finale Abmahnung vor der Kündigung demnach so gestalten, dass dem Arbeitnehmer deutlich wird, dass er bei erneutem Verstoß die Kündigung erhält.

6. Wann gilt die Abmahnung als zugegangen?

Für die Wirksamkeit einer Abmahnung ist es bedeutend, dass sie dem Arbeitnehmer zugegangen ist. Eine Abmahnung gilt als zugegangen, wenn Sie als Arbeitnehmer Kenntnis von ihr erhalten. Spricht der Arbeitgeber eine Abmahnung mündlich aus, so gilt sie als sofort zugegangen. Wird sie schriftlich ausgesprochen, so gilt sie als zugegangen, wenn sie in den Briefkasten des Arbeitnehmers eingeworfen wird. Sie gilt auch als zugegangen, wenn sie persönlich übergeben oder Ihnen auf den Schreibtisch gelegt wird.
Für Arbeitgeber ist es immer sinnvoll, die Übergabe zu dokumentieren. Das kann durch ein Einschreiben oder eine Empfangsbestätigung erfolgen. Die Beweisbarkeit einer mündlichen Abmahnung ist dagegen schwierig.

7. Welche Fristen gelten bei der Zustellung von Abmahnungen?

Die arbeitsrechtliche Abmahnung ist, entgegen der allgemeinen Auffassung, an keine Fristen gebunden. Das bedeutet, dass ein Arbeitgeber seinen Arbeitnehmer auch noch Wochen oder sogar Monate nach einem Fehlverhalten abmahnen kann.

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